{"id":144,"date":"2013-08-12T15:04:50","date_gmt":"2013-08-12T13:04:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.astrologie-zentrum-hannover.de\/wordpress\/?page_id=144"},"modified":"2013-08-14T17:35:33","modified_gmt":"2013-08-14T15:35:33","slug":"ausstellung-wolfenbuettel-2009","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.astrologie-zentrum-hannover.de\/wordpress\/ausstellung-wolfenbuettel-2009\/","title":{"rendered":"Ausstellung Wolfenb\u00fcttel 2009"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Sterne l\u00fcgen nicht<\/b><\/p>\n<p><i>Seltene Ausstellung historischer B\u00fccher zu Astronomie und Astrologie in Wolfenb\u00fcttel im Jahr 2009<\/i><\/p>\n<p>Vor 400 Jahren blickte Galileo Galilei zum ersten Mal durch ein Fernrohr und entdeckte vier Monde des Jupiters. Auch Kepler ver\u00f6ffentlichte sein Grundlagenwerk \u201eAstronomia Nova\u201c \u00fcber die Gesetze der Planetenbewegung in jenem Jahr. Um an diese bahnbrechenden Erkenntnisse zu erinnern, ist das Jahr 2009 von der UNESCO zum internationalen Jahr der Astronomie erkl\u00e4rt worden. Aus diesem Anlass zeigte die Herzog August Bibliothek in Wolfenb\u00fcttel bis zum 7. Juni 2009 die Ausstellung \u201eDie Sterne l\u00fcgen nicht\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/astrologie-zentrum-hannover.de\/Bilder\/ausstellungstext.jpg\" \/><br \/>\n<i>Abb. 1: Gliederung der Ausstellung nach Epochen<\/i><\/p>\n<p>Es wurden Handschriften und B\u00fccher aus vielen Jahrhunderten pr\u00e4sentiert, die alle zum Bestand der Bibliotheca Augusta geh\u00f6ren.<br \/>\nEs ist ein Unterschied, ob man \u00fcber ber\u00fchmte alte Werke liest oder ob man sie selbst direkt ansehen kann. Um sich einen Eindruck zu verschaffen, bot das Astrologie-Zentrum Hannover einen Ausflug f\u00fcr alle Interessierten an und fuhr am 6. M\u00e4rz 2009 mit dem Zug nach Wolfenb\u00fcttel. Von Hannover aus erreicht man die kleine Stadt s\u00fcdlich von Braunschweig in gut einer Stunde mit Bahn oder Auto. Wir hatten eine Sonderf\u00fchrung durch Dr. Christian Heitzmann, der uns mit einem kenntnisreichen und kurzweiligen Vortrag die Ausstellung erl\u00e4uterte. Zwei Stunden vergingen wie im Fluge angesichts der spannenden Geschichten und der vielen interessanten ausgestellten B\u00fccher.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle an der Geschichte der Astrologie Interessierten war diese Ausstellung ein Genuss.<\/p>\n<p>Die Bibliothek selbst ist eine der gro\u00dfen deutschen Bibliotheken, entstanden im 17. Jahrhundert. Gegr\u00fcndet wurde sie von Herzog August, dem J\u00fcngeren (1579 \u2013 1666). Er war ein vielseitig interessierter Mann, der in seiner T\u00fcbinger Studienzeit ein Sch\u00fcler von Michael M\u00e4stlin war. Auch Johannes Kepler geh\u00f6rte zu den Sch\u00fclern von M\u00e4stlin. Herzog August lernte bei M\u00e4stlin die Horoskopberechnung und errechnete sein eigenes Horoskop, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen war. Und passend zum Thema Wissen und Bildung hatte er einen Sch\u00fctze-Aszendent und die Sonne auf 0\u00b0 Stier, die das Sammeln beg\u00fcnstigt.<\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte Dichter Lessing (1729 \u2013 1781) wirkte hier ebenso als Bibliothekar wie vor ihm Johann Gottfried Leibniz (1646 \u2013 1716). Die Bibliothek beherbergt Zehntausende von B\u00fcchern. Sie ist spezialisiert auf die Literatur des 18. Jahrhunderts. Dar\u00fcber hinaus sind ganze W\u00e4nde gef\u00fcllt mit astronomischer und astrologischer Literatur. Normalerweise bekommt man die einzelnen B\u00fccher nicht zu sehen. Aber 2009 haben die Ausstellungsmacher ihre Regale durchforstet nach den sch\u00f6nsten und spektakul\u00e4rsten Schriften und sie dem \u00f6ffentlichen Blick zug\u00e4nglich gemacht. In vielen Glasvitrinen wurden besonders beeindruckende Bilder oder Texte vorgestellt, die zugleich den Werdegang der Astronomie und Astrologie von der Antike bis in die fr\u00fche Neuzeit aufzeigen.<\/p>\n<p>Aus der Antike fand sich z.B. Manilius\u2019 Lehrgedicht \u201eAstronomica\u201c in der Scaliger-Ausgabe von 1590. Dieser Joseph Justus Scaliger war ein Sohn von Julius Caesar Scaliger, der als Lehrer von Nostradamus in Agen wirkte.<\/p>\n<p>Eine Handschrift aus dem 14. Jahrhundert enthielt lateinische Fassungen von Claudius Ptolem\u00e4us\u2019 \u201eAlmagest\u201c und \u201eTetrabiblos\u201c. Auch die \u201eMathesis\u201c des Firmicus Maternus geh\u00f6rt zum Bestand.<\/p>\n<p>Die arabische Astrologie des Mittelalters wurde durch ein Werk von Albumasar (805 \u2013 886) \u00fcber die gro\u00dfen Konjunktionen repr\u00e4sentiert. Es wurde 1488\/89 in Augsburg gedruckt. Der Astronom Leopold von \u00d6sterreich (13. Jahrhundert) verfasste eine Art Handbuch der arabischen astrologischen Werke. Es wurde 1489 in Augsburg gedruckt und enth\u00e4lt eine sehr h\u00fcbsche Darstellung der Tierkreiszeichen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/astrologie-zentrum-hannover.de\/Bilder\/tierkreiszeichen_ma.jpg\" \/><br \/>\n<i>Abb. 2: Tierkreiszeichen aus dem 13. Jahrhundert<\/i><\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der Schriften stammt aus dem Mittelalter und der Renaissancezeit, die ja bekanntlich eine Bl\u00fctezeit der Astrologie war. Namen wie Regiomontanus, Kopernikus, Tolhopff, Pico della Mirandola, Johannes Lichtenberger, Petrarca, Lucas Gaurico, Johannes St\u00f6ffler, Cardanus, Tycho Brahe, Kepler sind vertreten. Neben vielen bekannten Werken finden sich hier auch unbekannte und r\u00e4tselhafte Texte.<\/p>\n<p>In einer Sammelhandschrift von ca. 1457 findet sich ein bislang unbekanntes Blockbuch mit Jahreskalender, Monatsbildern und einem Aderlassm\u00e4nnchen.<br \/>\nDieses Blockbuch ist ein Beleg daf\u00fcr, dass die Astrologie im 15. Jahrhundert nicht im Gegensatz zur Theologie stand, sondern gut mit ihr harmonierte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/astrologie-zentrum-hannover.de\/Bilder\/aderlass.jpg\" \/><br \/>\n<i>Abb 3: Aderlassm\u00e4nnchen von 1457<\/i><\/p>\n<p>Johannes M\u00fcller aus dem fr\u00e4nkischen K\u00f6nigsberg wurde bekannt unter seinem wahrscheinlich von Melanchthon latinisierten Namen Regiomontanus. Er war der bedeutendste Mathematiker und Astronom vor Kopernikus, lebte von 1436 \u2013 1476 und erbaute unter anderem eine Sternwarte in N\u00fcrnberg. F\u00fcr den Erzbischof von Gran in Ungarn erstellte er 1467 astronomische Tabellen \u00fcber die Bewegung der Himmelsk\u00f6rper, die sich gro\u00dfer Beliebtheit erfreuten. In der Bibliothek von Wolfenb\u00fcttel befindet sich eine T\u00fcbinger Ausgabe von 1559. Ein von ihm entwickeltes H\u00e4usersystem wurde Jahrhunderte lang in der Astrologie benutzt.<\/p>\n<p>Astrologie galt im 16. Jahrhundert als anerkannte Wissenschaft. Um die Zuverl\u00e4ssigkeit der Voraussagen zu pr\u00fcfen und m\u00f6glichst auch zu beweisen, wurden Sammlungen von Horoskopen angelegt. Zu den ber\u00fchmtesten geh\u00f6ren die Sammlungen von Girolamo Cardano und von Luca Gaurico. Neben der wissenschaftlichen Seite wurde Astrologie in der Renaissance (wieder) zu einem Mittel politischer und religi\u00f6ser Auseinandersetzungen. Die verschiedenen Horoskope, die \u00fcber Luther kursierten, zeigen dies. Luca Gaurico publizierte ein Horoskop Luthers, das ihn als in der H\u00f6lle enden l\u00e4sst. Allerdings legt er das falsche Geburtsjahr von 1484 zugrunde.<\/p>\n<p>Johnnes Tolhopff (1454 \u2013 1503), lebte eine Zeit lang als Astronom am K\u00f6nigshofe von Matthias Corvinus in Buda in Ungarn. Matthias Corvinus war bekannt als gro\u00dfer Liebhaber kostbarer Handschriften. Er baute eine der wertvollsten Bibliotheken der Renaissance auf, die leider nach der Eroberung Ungarns durch die T\u00fcrken zerst\u00f6rt wurde. Wenige kostbare Werke konnten gerettet werden. Die Herzog August Bibliothek besitzt einige Handschriften, unter anderem das 1480 entstandene \u201eStellarium\u201c von Tolhopff, das allerdings nie gedruckt wurde. Es enth\u00e4lt u.a. eine in leuchtenden Farben und Gold ausgef\u00fchrte Darstellung des Kosmos nach dem geozentrischen Weltbild. Im \u00e4u\u00dferen Ring sind Gruppen von Engel- und Heiligenk\u00f6pfen zu sehen. Die Ausstellung warb mit dieser Darstellung, wie man auf dem Foto mit einigen aus unserer Reisegruppe sehen kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/astrologie-zentrum-hannover.de\/Bilder\/reisegruppe_wolfenbuettel.jpg\" \/><br \/>\n<i>Abb. 4: Mitreisende vor dem Plakat der Herzog-August Bibliothek in Wolfenb\u00fcttel<\/i><\/p>\n<p>Als Kuriosum war ein kosmisches Kartenspiel zu sehen, das der Leipziger Autor Johannes Pr\u00e4torius (1630 \u2013 1680) als Lehrkartenspiel herausgab und auf dem er astrologisch-astronomische Motive zeigte, u.a. die damals bekannten 11 Modelle der Welt.<\/p>\n<p>Himmelsgloben und Atlanten schlossen den Rundgang ab. Der wohl ber\u00fchmteste Himmelsatlas ist der des Astronomen und Mathematikers Andreas Cellarius (1596 \u2013 1665). Die zweite Auflage von 1708, in Amsterdam gedruckt, geh\u00f6rt zum Bestand der Bibliothek. Erfreulicherweise ist dieser Atlas 2006 neu gedruckt und unter dem Titel \u201eThe finest Atlas of the Heavens\u201c wieder im Handel erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/astrologie-zentrum-hannover.de\/Bilder\/cellarius_buch.jpg\" \/><br \/>\n<i>Abb 5: Andreas Cellarius, Atlas von 1708. Das heliozentrische Planetensystem nach Kopernikus<\/i><\/p>\n<p>Der Katalog mit dem Titel \u201eDie Sterne l\u00fcgen nicht. Astrologie und Astronomie im Mittelalter und in der fr\u00fchen Neuzeit\u201c ist im Harrassowitz Verlag erschienen und hat 268 Seiten. Er kostet in der Bibliothek broschiert 20 Euro, im Buchhandel als Hardcover 40 Euro. Er ist sorgf\u00e4ltig und \u00fcbersichtlich gegliedert und sehr lesenswert.<\/p>\n<p><i>Annegret Becker-Baumann, 17.07.2010 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Photos von Ulrike Clever<\/i><\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sterne l\u00fcgen nicht Seltene Ausstellung historischer B\u00fccher zu Astronomie und Astrologie in Wolfenb\u00fcttel im Jahr 2009 Vor 400 Jahren blickte Galileo Galilei zum ersten Mal durch ein Fernrohr und entdeckte vier Monde des Jupiters. 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